Ein Fliesenleger aus dem Bergischen beschreibt sein Angebot am Telefon so: „Wir machen komplette Bäder, auch barrierefrei.“ Auf seiner Website steht folgerichtig „Badsanierung aus einer Hand“. Die Leute, die ihn anrufen, sagen dagegen Sätze wie „meine Mutter kommt nicht mehr über den Wannenrand“ oder fragen nach einer „bodengleichen Dusche“. Das eine ist Branchensprache, das andere ist Kundensprache – und gesucht wird in Kundensprache.
Genau da liegt der Kern der Sache. Lokale Keywords finden heißt nicht, ein Tool zu abonnieren und Zahlenkolonnen zu sortieren, sondern herauszubekommen, mit welchen Worten Menschen in deiner Gegend ein Problem beschreiben, das du lösen kannst. Die dafür nötigen Quellen sind kostenlos, und die meisten davon liegen in deinem Betrieb bereits herum.
Warum deine Wörter und die deiner Kunden auseinandergehen
Wer seit zwanzig Jahren in einem Gewerk arbeitet, denkt in Leistungen und Materialien. Wer ein Problem hat, denkt in Symptomen und Situationen. Die Suchanfrage „Heizung macht Geräusche“ kommt viel häufiger vor als „hydraulischer Abgleich“, obwohl das Zweite die Lösung des Ersten ist.
Dazu kommt die regionale Färbung. In der einen Stadt sagt man Metzger, in der anderen Fleischer. Manche suchen nach „Elektriker Notdienst“, andere nach „Strom ausgefallen wer hilft“. Solche Unterschiede stehen in keiner Datenbank, sondern nur in den Köpfen deiner Kundschaft. Wie du diese Sprache systematisch einsammelst, haben wir unter Mit welchen Worten deine Kunden dich suchen beschrieben.
Die Suchzeile ist das beste kostenlose Werkzeug
Google verrät mehr, als die meisten nutzen. Diese fünf Handgriffe brauchen zusammen keine halbe Stunde:
- Autovervollständigung – tipp deine Leistung plus Ort ein und lies, was Google dir vorschlägt, bevor du zu Ende geschrieben hast. Das sind echte, häufige Anfragen.
- Buchstaben durchgehen – schreib „Fliesenleger Wuppertal a“, dann „b“, dann „c“. Jeder Buchstabe bringt neue Vorschläge.
- Ähnliche Fragen – der aufklappbare Kasten mitten in den Ergebnissen liefert dir fertige Themen für Unterseiten.
- Verwandte Suchanfragen – ganz unten auf der Ergebnisseite; oft die konkreteren Formulierungen.
- Fragewörter voranstellen – „was kostet“, „wie lange dauert“, „wer macht“ plus deine Leistung. Genau so sprechen Leute mit ihrem Handy.
Schreib alles ungefiltert in eine Liste, ohne zu bewerten. Sortiert wird später. Und lass dich nicht davon irritieren, dass die Ergebnisseite heute anders aussieht als früher: Einer Auswertung des Pew Research Center von 2025 zufolge erschien bei rund 18 Prozent der Google-Suchen eine KI-Zusammenfassung. Die Vorschläge in der Suchzeile stammen trotzdem weiterhin aus dem, was Menschen tatsächlich eintippen.
Was in deinem Betrieb längst vorliegt
Leg dir für zwei Wochen einen Block ans Telefon und notier bei jedem Anruf den ersten Satz des Anrufers, so wörtlich wie möglich. Das ist die ehrlichste Keyword-Recherche, die es gibt, weil sie nicht durch Fachbegriffe gefiltert ist.
Dieselbe Ausbeute steckt in deinem Postfach: Anfragen über das Kontaktformular, Nachrichten per WhatsApp, Rückfragen zu Angeboten. Häufen sich dort Fragen nach Preisspannen, Terminen oder Zuschüssen, sind das Themen, die auf deine Website gehören – und zwar mit den Wörtern, in denen sie gestellt wurden.
Dritte Quelle: die Seiten deiner Wettbewerber, die in der Karte vor dir stehen. Nicht abschreiben, sondern lesen, welche Leistungen sie einzeln benennen und welche Begriffe in ihren Überschriften stehen. Wenn drei von ihnen eine eigene Seite zu einer Leistung haben, die bei dir in einem Sammelabsatz versteckt ist, hast du eine Lücke gefunden.
Search Console: die Wörter, für die du bereits erscheinst
Wenn deine Website in der Google Search Console angemeldet ist, bekommst du dort die Suchanfragen, bei denen du eingeblendet wurdest – inklusive derer, die du nie auf dem Zettel hattest. Besonders wertvoll sind Anfragen mit vielen Einblendungen und wenigen Klicks: Da erscheinst du, überzeugst aber nicht.
Welche Berichte dafür wirklich zählen und wie du den Zugang einrichtest, steht unter Google Search Console für Einsteiger. Der Aufwand liegt bei etwa einer Stunde einmalig, und danach hast du eine Datenquelle, die kein bezahltes Tool ersetzt.
Aus der Sammlung wird eine Themenliste
Am Ende hast du vielleicht achtzig Zeilen. Streich zuerst alles, was du gar nicht anbietest. Fasse dann zusammen, was dasselbe meint, und ordne jeder verbleibenden Gruppe eine einzige Seite zu: eine Leistung, eine Seite, eine klare Überschrift in Kundensprache. Warum das mehr bringt als eine Seite, auf der alles steht, haben wir unter Eine Seite pro Leistung erklärt.
Priorisiere danach nach Geschäftswert, nicht nach Suchvolumen: Womit verdienst du am meisten, was machst du am liebsten, wo ist der Weg vom Klick zum Auftrag am kürzesten? Drei bis fünf gut gemachte Seiten schlagen zwanzig halbfertige. Und wenn dir beim Sortieren auffällt, dass deine jetzige Website für keine dieser Seiten Platz hat, ist das der Moment, über einen Neuaufbau nachzudenken.
Häufige Fragen
Brauche ich wirklich kein bezahltes Tool?
Für einen lokalen Betrieb mit einer Handvoll Leistungen nicht. Tools lohnen sich, wenn du hunderte Seiten betreust oder mehrere Standorte vergleichst. Für alles darunter reichen Suchzeile, Search Console und Zuhören.
Soll der Ortsname in jeden Suchbegriff?
Nicht zwingend. Bei „in der Nähe“-Suchen erkennt Google den Standort ohnehin. Nimm den Ort dort auf, wo er natürlich klingt, etwa in der Überschrift der Startseite und auf der Kontaktseite.
Wie oft muss ich die Liste überarbeiten?
Einmal im Jahr reicht in den meisten Branchen, dazu bei jeder neuen Leistung. Sprache ändert sich langsam, dein Angebot meist schneller.
