Am Telefon sagt niemand: „Ich benötige eine Sanitärinstallation.“ Die Leute sagen: „Bei mir tropft der Wasserhahn“, „die Spülung läuft durch“ oder „im Keller steht Wasser“. Auf der Website desselben Betriebs steht dann trotzdem „Sanitärinstallation, Heizungstechnik, Kundendienst“ – die Wörter aus dem Gewerbeschein, nicht die Wörter aus dem Anruf.
Genau in dieser Lücke gehen Anfragen verloren. Suchmaschinen vergleichen die Wörter der Suchenden mit den Wörtern auf Seiten, und KI-Assistenten tun im Grunde dasselbe, nur etwas großzügiger. Wenn du den Fachbegriff schreibst und der Kunde das Problem tippt, treffen sich beide selten. Hier geht es darum, wie du die tatsächlichen Suchbegriffe deiner Kunden einsammelst, ohne ein Tool zu kaufen, und wie du sie in Überschriften und Absätze übersetzt.
Wonach Kunden bei Google suchen – und warum das nicht dein Fachbegriff ist
Fachsprache entsteht in der Ausbildung, Kundensprache entsteht in der Not. Wer ein Problem hat, beschreibt das Symptom, nicht die Lösung. Er weiß ja nicht, ob eine Dichtung, eine Kartusche oder die ganze Armatur getauscht werden muss – das ist dein Job.
Dazu kommt: Suchanfragen werden länger und klingen inzwischen wie gesprochene Sätze. Statt „Elektriker Duisburg“ tippen viele „wer kann kurzfristig eine Steckdose in der Küche setzen“. Das liegt an Sprachassistenten und daran, dass KI-Antworten ganze Fragen vertragen. Für dich ist das gut, denn lange Fragen sind konkret und leichter zu bedienen als ein einzelnes hart umkämpftes Wort.
Der Fachbegriff verschwindet dabei nicht. Er gehört weiter auf die Seite, weil Kunden ihn im Angebot wiederfinden wollen und weil Suchmaschinen so einordnen, in welcher Branche du unterwegs bist. Er steht nur nicht mehr allein an der Spitze.
Vier Quellen, in denen die echten Wörter schon liegen
Du musst die Sprache deiner Kunden nicht erfinden. Sie liegt bereits in deinem Betrieb herum, meistens unsortiert:
- Das Telefonbuch im Kopf deiner Bürokraft – wer die Anrufe annimmt, kann dir in zehn Minuten die zwanzig häufigsten Sätze aufsagen.
- WhatsApp-Verläufe und E-Mails – dort steht die Anfrage wörtlich, inklusive Rechtschreibfehlern und Dialektwörtern.
- Deine Bewertungen – Kunden beschreiben dort im Rückblick, was ihr Problem war und wie du es gelöst hast.
- Die Rückfragen im Angebotsgespräch – alles, was du zum dritten Mal erklären musst, ist ein Thema, das im Netz gesucht wird.
Leg dir für zwei Wochen einen Zettel neben das Telefon und schreib jede Anfrage in Kundenworten mit. Danach hast du eine Liste, für die andere Betriebe Geld ausgeben. Wie du sie mit kostenlosen Mitteln ergänzt, steht unter Lokale Suchbegriffe finden – ohne teures SEO-Tool.
Vom Zettel in die Überschrift
Jetzt kommt der Schritt, an dem die meisten aufhören. Aus der gesammelten Liste wird nur dann Sichtbarkeit, wenn die Wörter dort landen, wo Suchmaschinen und Menschen zuerst hinschauen: in Seitentiteln, Überschriften und im ersten Absatz.
Nimm die häufigste Anfrage und baue daraus eine Zwischenüberschrift in ganzen Worten: „Wasserhahn tropft – was wir am selben Tag machen können.“ Darunter drei bis fünf Sätze, die die Frage wirklich beantworten: was die üblichen Ursachen sind, wie lange es dauert, was es ungefähr kostet. Diese Absätze sind auch das Material, aus dem KI-Systeme ihre Antworten zusammensetzen.
Vermeide dabei Werbesprache. „Ihr kompetenter Partner rund um das Thema Wasser“ enthält kein einziges Wort, nach dem jemand sucht. Warum konkrete Formulierungen doppelt zahlen, haben wir unter Klare Sätze statt Werbesprache – warum KI Konkretes bevorzugt beschrieben.
Was du damit nicht tun solltest
Zwei Dinge gehen regelmäßig schief. Das erste ist Aufzählungslyrik: eine Seite, auf der dreißig Begriffe untereinander stehen, damit ja nichts fehlt. Das liest niemand, und Suchmaschinen bewerten solche Listen seit Jahren als Füllmaterial. Besser sind wenige Themen, dafür ausführlich.
Das zweite ist das Kopieren fremder Formulierungen. Wenn du die Texte des Mitbewerbers mit ausgetauschtem Ortsnamen übernimmst, hast du eine Seite, die nichts über dich aussagt. Deine Wörter unterscheiden dich – die Handgriffe, die du anders machst, die Marken, die du verbaust, die Gegend, in der du unterwegs bist.
Halte außerdem eine Sprachebene durch. Wenn oben „tropfender Wasserhahn“ steht und zwei Absätze später „Instandsetzung sanitärer Anlagen“, wirkt der Text zusammengestückelt. Wie du beides zusammenhältst, ohne stundenlang zu formulieren, steht unter Gute Websitetexte schreiben – auch ohne Talent.
Womit du diese Woche anfängst
Nimm dir eine halbe Stunde und schreib die fünf Anfragen auf, die im letzten Monat am häufigsten kamen – in den Worten der Anrufer, nicht in deinen. Ordne jeder Anfrage eine Überschrift auf deiner Website zu. Für alles, wozu es keine passende Überschrift gibt, schreibst du einen kurzen Abschnitt, drei bis fünf Sätze reichen für den Anfang.
Wiederhole das einmal im Quartal. Sprache verändert sich, Jahreszeiten verändern die Anfragen, und neue Leistungen bringen neue Wörter mit. Wenn du dabei merkst, dass deine Website gar keine Stelle hat, an der solche Sätze stehen könnten, ist nicht die Wortliste das Problem, sondern die Seite darunter.
Häufige Fragen
Muss ich die Suchbegriffe wörtlich so schreiben, wie Kunden sie eintippen?
Nein, wörtlich Wort für Wort ist nicht nötig. Suchmaschinen erkennen Umformulierungen zuverlässig. Es reicht, wenn der Sinn und die wichtigsten Wörter vorkommen und der Satz für Menschen normal klingt.
Wie viele Suchbegriffe soll eine Seite abdecken?
Ein Hauptthema und ein paar nah verwandte Formulierungen. Sobald du merkst, dass ein zweites Thema eigentlich eine eigene Erklärung bräuchte, gehört es auf eine eigene Seite statt in denselben Absatz.
Bringt es etwas, Dialektwörter zu verwenden?
Wenn deine Kunden sie benutzen, ja. Regionale Ausdrücke tauchen in Suchanfragen auf und machen den Text glaubwürdig. Setz sie sparsam ein und erkläre im selben Satz, was gemeint ist, damit Zugezogene nicht aussteigen.
